Stellungnahme zum Reformpaket der Bundesregierung: Wirtschaftlicher Aufschwung nicht auf dem Rücken der Jugend!
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Die Christliche Arbeiterjugend (CAJ) Passau kritisiert das neue Reformpaket der Bundesregierung und fordert mehr Vertrauen statt Misstrauenskultur in der Arbeitswelt.
Passau. Das frisch verhandelte Reformpaket der schwarz-roten Bundesregierung sorgt bei der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) im Bistum Passau für massive Bauchschmerzen. Unter dem Bundesmotto „Wir stehen auf für unsere Zukunft!“ hat der katholische Jugendverband die Beschlüsse insbesondere mit Blick auf Junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einer genauen Prüfung nach der bewährten Methode „Sehen – Urteilen – Handeln“ unterzogen. Das Urteil fällt ambivalent, in entscheidenden Punkten jedoch eindeutig negativ aus.
Zwar begrüßt die CAJ Passau ausdrücklich die soziale Balance bei den Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen sowie das härtere Durchgreifen des Zolls gegen Schwarzarbeit und Ausbeutung. Doch der Preis, den junge Menschen für dieses Paket zahlen sollen, ist viel zu hoch.
Vier Jahre Zukunftsangst: Stoppt die Ausweitung von Befristungen!
Besonders alarmiert ist der Verband über die geplante Ausweitung sachgrundloser Befristungen auf bis zu 48 Monate. Angelehnt an ein bekanntes Wort des CAJ-Gründers Kardinal Joseph Cardijn erklärt die Diözesanleitung der CAJ Passau: „Ein junger Mensch ist mehr wert als alles Gold der Erde. Er ist keine flexibel verschiebbare Manövriermasse für Arbeitgeber.“ Wer Berufseinsteiger bis zu vier Jahre in Kettenverträgen hängen lässt, raubt ihnen jede Planungssicherheit. Ob Wohnungssuche in Passau, Familiengründung oder die schlichte finanzielle Unabhängigkeit: Prekäre Arbeit wird hier per Gesetz verlängert und verunsichert eine ganze Generation. Ein befristetes Arbeitsverhältnis mindert die Kreditwürdigkeit drastisch. Für junge Beschäftigte bedeutet das: Größere Anschaffungen sind schlicht unmöglich.
Attestpflicht ab Tag eins: Generalverdacht statt Wertschätzung
Ein schwerer Schlag gegen das Vertrauensverhältnis in den Betrieben ist zudem die Einführung der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag, gepaart mit dem Aus für die telefonische Krankschreibung. Die CAJ Passau sieht darin eine gefährliche Misstrauenskultur. Junge Beschäftigte und Auszubildende, die sich ohnehin in einem abhängigen Hierarchieverhältnis befinden, werden unter den Generalverdacht des „Blaumachens“ gestellt. Wer mit Fieber oder Infekten gezwungen wird, sich sofort am ersten Tag in überfüllte Arztpraxen zu schleppen, dessen Gesundheit und Menschenwürde werden wirtschaftlichen Kontrollinteressen untergeordnet. Das belastet die Schwächsten und blockiert zeitgleich unser solidarisches Gesundheitssystem.
Globale Solidarität darf nicht aufgeweicht werden
Als Teil einer internationalen Bewegung blickt die CAJ auch über die Grenzen der Region hinaus. Die geplante Aufweichung des Lieferkettengesetzes für Unternehmen unter 5.000 Mitarbeitern verurteilt der Passauer Verband scharf. Wirtschaftlicher Profit in Deutschland darf niemals auf Kosten von Menschenrechten und fairer Arbeit im globalen Süden erwirtschaftet werden.
Unsere Antwort: Sichtbar machen, was junge Menschen wirklich wollen
„Gerade weil die Politik die Weichen wieder Richtung Verunsicherung stellt, werden wir lauter werden“, kündigt die CAJ Passau an. Mit ihrem aktuellen Filmprojekt „Arbeit – Checkst Du?“ gibt der Verband jungen Menschen und Azubis eine Plattform, um selbstbestimmt zu zeigen, wie eine gerechte, sichere und würdevolle Ausbildung aussehen muss.
Die CAJ Passau fordert die Bundesregierung und die regionalen Abgeordneten auf, das Reformpaket nachzubessern: Gute Arbeit braucht unbefristete Perspektiven von Anfang an und eine Kultur des Vertrauens statt des Verdachts!


