Hier ist Merlin, Diözesanleiter der CAJ Passau, zusammen mit Antonia, Pia und Ksenia, vertrete ich die CAJ Deutschland beim IYCW-Weltrat in Manila, Philippinen! Wir tauschen uns mit CAJler*innen weltweit über globale Gerechtigkeit und gute Arbeit aus. In diesem Blog erhaltet ihr einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen des Weltrats, spannende Begegnungen und meine persönlichen Highlights. Begleitet mich auf dieser Reise!
Tag 1: Der Startschuss und die lange Reise
Um 4:20 Uhr klingelte der Wecker – eine Zeit, zu der man normalerweise am liebsten noch dreimal die Schlummertaste drückt. Aber heute nicht, denn die Aufregung war riesig: Abfahrt zum Zug Richtung Frankfurt Flughafen!
Dort angekommen, traf ich auf das deutsche Team: Antonia (unsere Delegierte aus Aachen), Pia (Gast aus Aachen) und Ksenia (Gast aus der Bundesleitung/Köln). Nach der ersten Wiedersehensfreude ging es direkt ans Einchecken. Ein paar kurze Clips und Videos durften für die Social-Media-Kanäle natürlich auch nicht fehlen, um euch von Minute eins an mitzunehmen!
Um 11:00 Uhr hieß es dann: Abheben! Unser Flug ging über Nacht in Richtung Shanghai.
Tag 2: Ankunft im Paradies, alte Bekannte & ein kühles Getränk
Nach einem entspannten Umstieg in Shanghai und dem dreistündigen Weiterflug landeten wir endlich in Manila!
Schon am Flughafen wurden wir herzlichst von einer Gruppe junger Philippinerinnen und Philippiner empfangen. Als echtes Willkommensgeschenk bekamen wir wunderschöne Muschelketten umgehängt ✨ – die Gastfreundschaft hier ist von der ersten Sekunde an überwältigend!
Im Tagungszentrum ging es direkt herzlich weiter: Wir trafen auf die übrigen Delegierten aus der ganzen Welt. Es war wunderschön, alte Bekannte von zurückliegenden EU-Seminaren, den 100-Jahr-Feierlichkeiten und vorherigen Austauschtagen wieder in die Arme zu schließen. Genauso spannend war es, die vielen neuen Gesichter kennenzulernen – manche davon kannte man ja bereits aus Erzählungen!
Da wir durch unsere Flugzeiten etwas Verspätung hatten, gab es für uns eine kleine, feine Einzeleinführung. Den Tag ließen wir dann ganz entspannt ausklingen: Bei einem kühlen Feierabendgetränk saßen ich, Sean (int. Sektretär) aus Belgien, meine deutschen Delegiertenkolleginnen Antonia, Pia und Ksenia zusammen. Genau diese Momente des Vernetzens und Quatschens machen die CAJ-Familie aus!
Tag 3: Gottesdienst, Kultur, Museum und der Aufbruch nach Camarines Norte!
Endlich wieder in einem richtigen Bett schlafen! Zwar waren es immer noch unter fünf Stunden Schlaf ‑_-, aber die Vorfreude auf den Tag hat die Müdigkeit schnell vertrieben.
Der Tag startete bunt und bewegend mit einem Gottesdienst, bei dem die Flaggen aller vertretenen Länder gezeigt wurden – ein richtig starkes Bild für die weltweite Gemeinschaft der CAJ! Danach ging es direkt über in einen ersten Kulturaustausch inklusive dem Probieren verschiedener philippinischer Snacks.
Gigantische Eröffnungsfeier & Kultur pur
Was folgte, war eine einfach gigantische Eröffnungsfeier! Es gab ein volles Programm mit traditionellen Tänzen, mitreißenden Reden und unendlich viel zum Lachen und Staunen.
Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg ins National Museum of the Philippines. Dort kam ich in richtig tiefe und wertvolle Gespräche: Einerseits ging es um den inhaltlichen Aufbau der CAJ in den verschiedenen Nationen, andererseits tauschten wir intensiv Meinungen zu den Basis-Dokumenten und inhaltlichen Schwerpunkten aus. Zum Entspannen und Weiterquatschen ging es danach noch in einen riesigen Park mitten in der Stadt.
Erste Aufgaben und eine Trennung auf Zeit
Zurück in der Unterkunft wartete bereits die nächste Besprechung auf uns: Es ging um die Planung der bevorstehenden Austauschtreffen mit den philippinischen Basisgruppen vor Ort. Zudem wurde das Awareness-Team für den Weltrat gegründet, für das ich direkt angefragt wurde – eine Aufgabe, die ich sehr gerne übernehme!
Am Abend hieß es dann aber auch schon Abschied nehmen – zum Glück nur auf Zeit: Unsere deutsche Delegation teilt sich für die Tage der Basisbesuche auf! Ksenia und Antonia bleiben in Manila, während Pia und ich weiterreisen.
Gegen 21:00 Uhr machten wir uns startklar für die Weiterreise. Nach nicht einmal 24 Stunden in Manila fällt der temporäre Abschied gar nicht so leicht: Ich habe hier jetzt schon neue Freundschaften geschlossen und mich mit alten wie neuen Gesichtern so tief verbunden gefühlt, dass man sich das Ende der Zeit hier kaum vorstellen mag.
Jetzt starten wir in eine 10-stündige Busfahrt von der Hauptstadt Manila nach Camarines Norte. Drückt uns die Daumen für etwas Schlaf auf der Fahrt!
Tag 4: Fischmarkt, Handwerk & Schlafen bei Einheimischen in Mercedes
Nach einer langen Reise sind Pia und ich am Morgen endlich in Mercedes (Camarines Norte) angekommen! Unser Tag startete direkt mit einem besonderen Frühstück und einem Besuch auf dem lokalen Fischmarkt – dem Ort, an dem die Menschen hier täglich ihren Lebensunterhalt verdienen.
Einblicke in die Praxis & direkte Begegnungen
Anschließend besuchten wir das Negosyo Center in Mercedes, eine staatliche Anlaufstelle für Handel und Industrie, die Kleinstunternehmer und Fischer berät und unterstützt. Danach ging es direkt an die Basis: Gemeinsam mit der örtlichen CAJ-Gruppe tauchten wir hautnah in die Lebensrealität der jungen Arbeiterinnen und Arbeiter ein und lernten Projekte kennen, die ihnen eine sichere Einnahmequelle bieten.
Nach einer kurzen Pause am Meer wurden wir in vier Workshops aufgeteilt und durften selbst anpacken: Wir lernten, wie man eine lokale Süßigkeit herstellt, Fisch räuchert und die Waren direkt vor Ort verkauft!
Zum Abschluss des Programms gab es eine Präsentation über die Entstehung, Struktur und Arbeitsweise der CAJ vor Ort, gefolgt von einem intensiven Erfahrungsaustausch.
Zwei Welten: Manila vs. Mercedes
Nebenbei hielt ich Kontakt mit Antonia und Ksenia in Manila: Während in unserer Gruppe in Mercedes hauptsächlich auf Englisch kommuniziert wurde, arbeitete die Gruppe in Manila mit viel Sprachübersetzung und in bunten Kleingruppen.
Ein ganz besonderer Abend
Die Nacht war noch einmal eine ganz eigene, prägende Erfahrung: Wir wurden auf verschiedene Häuser aufgeteilt und durften direkt bei den einheimischen Familien übernachten. Und das Beste nach der langen Fahrt: Endlich wieder einmal waagerecht schlafen! ^^
Tag 5: Fluss-Paradies, ROLWA & drei Lebensrealitäten
Früh morgens ging es mit dem Bus weiter zu drei völlig unterschiedlichen CAJ-Basisgruppen: Während die erste stark auf den Fischhandel fokussiert ist, erlebten wir die zweite in einem echten Naturparadies an einem Fluss, wo wir beim Schwimmen etwas entspannen konnten. Die dritte Gruppe zeigte uns dagegen eine ganz andere Härte des Alltags – sie kämpft mit massiver Wasserknappheit. Um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede unserer Lebensrealitäten zu verstehen, wandten wir gemeinsam die ROLWA-Methode (Review of Life and Workers Action) an. Die anschließende Übernachtung direkt bei den Mitgliedern zeigte nicht nur erneut die enorme Gastfreundschaft, sondern machte auch deutlich, wie herausfordernd die Umsetzung von Schutzkonzepten unter so einfachen Lebensbedingungen sein kann.
Tag 6: Motorrad-Spritztour, Tiefenanalyse, Strand-Fiesta & Nachteule-Busfahrt
Am nächsten Morgen starteten wir abenteuerlich mit einer Fahrt im typischen Motorrad mit Seitenwagen! Wir besuchten verschiedene Orte des informellen Sektors und erfuhren hautnah, wie die Arbeiterinnen und Arbeiter hier ohne feste Anstellung täglich um ihr Überleben kämpfen. In einer letzten intensiven Session gingen wir tief in die Analyse, tauschten uns über unsere Aktionen aus und reflektierten die gesammelten Erfahrungen der letzten Tage.
Zum krönenden Abschluss der Basisbesuche stieg eine gigantische Fiesta: Meer, Lagerfeuer, fantastisches heimisches Essen, gemeinsam gelernte TikTok-Tänze mit den Locals und natürlich – wie sollte es anders sein – Karaoke bis 3 Uhr morgens!
Um punkt 3 Uhr hieß es dann aber schon wieder Koffer packen: Unsere lange Busreise zum eigentlichen Weltrat nach Tagaytay startete mitten in der Nacht. Müde, aber überglücklich über diese unvergesslichen Tage!
Tag 7: Wiedersehen in Tagaytay, Antragsarbeit & schlaflose Nächte
Gefühlt startete der Tag erst um 13:30 Uhr, als wir endlich im Tagungsort in Tagaytay ankamen – und damit auch unsere deutsche Delegation wieder vereint war! Die lange Busfahrt hatte zumindest einen Guten Zweck: Ich hatte Zeit, die Anträge gründlich durchzugehen und direkt ein paar Ergänzungen auszuarbeiten.
Nach den intensiven Tagen an der Basis tat es richtig gut, sich auf ein echtes Bett und eine warme Dusche zu freuen! Vor dem Abendessen trafen wir uns direkt in der Europa-Koordination, um uns abzustimmen, zu diskutieren und unser gemeinsames Vorgehen für den Weltrat zu planen.
Insgesamt verlief der Tag etwas ruhiger und gab Raum zum Durchatmen. Nach dem Abendessen gingen wir in den Austausch über die vergangenen Tage und klärten die ersten organisatorischen Punkte für den eigentlichen Weltrat. Über den Tag verteilt nutzten wir immer wieder die Zeit für Abstimmungen innerhalb unserer Delegation sowie mit dem internationalen Team.
Die größte Herausforderung des Tages? Die Entscheidung, ob man vernünftig ist und den verpassten Schlaf der letzten Tage nachholt – oder doch lieber noch länger wach bleibt, um sich noch tiefer mit allen auszutauschen!
Tag 8: Offizieller Start des Weltrats, Anträge & Kommissionen
Um 8:45 Uhr fiel endlich der Startschuss für den offiziellen Teil des Weltrats! Nach der Klärung der Grundregularien ging es direkt in die Diskussionen: Zunächst entschieden wir über die Aufstufung einer Nation zur Vollmitgliedschaft (Full Membership).
Danach brachten wir als deutsche Delegation unsere Anträge ein: Antonia stellte unsere Anträge dazu vor, dass im Weltrat gemeinsam an Positionspapieren gearbeitet werden soll. Auch bei den Geschäftsordnungen (Rules of Procedure) fanden wir wichtige Ansatzpunkte – mit der Zustimmung aller durfte ich hier unsere Änderungsvorschläge einbringen. Besonders gestärkt hat uns das extrem positive Feedback aus anderen Delegationen in den Pausen: Viele lobten, wie gut wir vorbereitet waren und wie treffsicher wir uns in die Debatten eingebracht haben!
Am Nachmittag mischten wir uns in internationalen Kleingruppen, um anhand des Analysis-Basisdokuments tief in die Realitäten unserer Mitglieder, Ursachen, Konsequenzen sowie unsere Werte und Visionen einzutauchen. Zurück im Plenum präsentierten wir die Ergebnisse und hörten einen eindrücklichen Vortrag über die globalen Entwicklungen des Kapitalismus und deren Auswirkungen auf die weltweite Arbeitswelt.
Zum Abschluss des Tages wurden die Kommissionen gebildet: Ksenia ging in die Commission of Legal, Pia in die Commission of Elections und ich wurde in die Commission of Plan berufen. Während wir in unseren Gremien die Arbeit aufnahmen, startete Antonia parallel bereits mit der Arbeit an den Positionspapieren. Ein intensiv durchgearbeiteter, aber unglaublich erfolgreicher Tag!
Tag 9: Deep Dive, starke Vorträge & afrikanische Tänze
Der heutige Tag knüpfte in den ersten beiden Sessions direkt an die Arbeit am Analysis-Dokument an. In internationalen Kleingruppen analysierten wir unsere Herangehensweisen sowie die Stärken und Schwächen des IPA (International Plan of Action) und präsentierten die Ergebnisse anschließend im Plenum. Nebenbei arbeiteten wir kontinuierlich an der Vorbereitung für unsere jeweiligen Kommissionen.
In der dritten Session gab es ein absolutes Highlight: Ein ehemaliger internationaler Schatzmeister (former international treasurer) bot uns tiefe Einblicke in die historische Entwicklung der YCW. Es ist wahnsinnig bewusstseinserweiternd, wie außerordentlich und inspirierend die Referentinnen und Referenten ihre Erfahrungen darbieten!
In der letzten Session stellten wir in Kleingruppen konkrete Aktionen aus unseren Ländern vor, um uns gegenseitig zu unterstützen. Antonia präsentierte für uns ein wichtiges Projekt eines Ausschusses der Diözesanverbandes Aachen. Die Ergebnisse unserer Gruppe werde ich morgen direkt im Plenum vorstellen.
Zum Abschluss des Tages stieg die erste Kulturnacht, die dieses Mal vom Kontinent Afrika ausgerichtet wurde. Beeindruckend, wie schnell sich die Atmosphäre wandelte: Binnen Minuten verwandelte sich die Fläche, auf der wir tagsüber noch hart diskutiert hatten, in eine Tanzfläche, auf der fast alle gemeinsam traditionelle afrikanische Tänze lernten!
Tag 10: 10 Tage unterwegs, ROLWA-Unterricht & Verantwortung in der Plan Commission
Einen Bericht zu Tag 10 zu schreiben fühlt sich fast schon surreal an. 10 Tage seit dem Start meiner Reise? Inzwischen spielt sich extrem viel im Kopf ab: Ununterbrochene Absprachen mit den anderen Delegierten, Fakten klären mit unserer Bundesebene in Deutschland, die eigenen Meinungen einbringen und so aktiv die Ausrichtung der nächsten vier Jahre mitgestalten – einfach krass!
Aber weiter im Programm:
Der Tag begann für einige von uns mit einem Gottesdienst in der Kirche nebenan. Dadurch kamen wir zwar etwas verspätet zur ersten Session, erwischten aber immerhin noch die zweite Hälfte des Impulses. Danach ging es sofort wieder in Arbeitsgruppen, wo wir die Präsentationen fertigstellten und vertiefende Fragen zu unseren Aktionen bearbeiteten.
In der dritten Session fühlte es sich fast wie in der Schule an: Wir bekamen handfeste Aufgaben, um die Methode der ROLWA (Review of Life with Action) noch besser zu durchdringen. Und wer hätte es gedacht – in der vierten Session drehte sich direkt alles um spezifische Detailfragen, um genau diese Methode für die Zukunft wieder weltweit zu stärken.
Zum Tagesabschluss zogen wir das Treffen unserer Plan Commission nach vorne und verfeinerten unsere Arbeitsstruktur. Um kurz zu erklären, was die Plan Commission eigentlich macht: Wir sind diejenige Kommission, die den neuen IPA – den internationalen Aktionsplan – für die kommenden Jahre ausformuliert und dem Plenum zur Abstimmung vorlegt! Eine riesige Ehre, aber natürlich auch ein gewaltiger Aufwand. Wobei… die Positionspapiere zu verfassen oder in den anderen Kommissionen zu schrubben ist definitiv kein bisschen weniger Arbeit!
Tag 11: Vulkanblick, intensive Kommissionen & Energie aufladen bei JOC America
Der Tag startete in der ersten Session direkt mit dem zweiten Teil unseres „ROLWA-Unterrichts“. Eine methodische Auffrischung, die auf jeden Fall gut tut, auch wenn ich für mich selbst noch etwas darüber nachdenken muss, wie die Reflexion im Alltag am besten hineinpasst. In der zweiten Session trugen wir die offenen Fragen dann zur Abwechslung mal direkt im gesamten Plenum zusammen, statt uns wie sonst in Kleingruppen aufzuteilen.
In der Mittagspause machten wir einen spontanen kleinen Ausflug zu einem nahegelegenen Starbucks – und wurden belohnt mit einem einfach unglaublichen Ausblick auf den Vulkan und die atemberaubende Landschaft drum herum!
Danach hieß es aber sofort wieder: Ab in die Kommissions-Arbeit! Nach ein paar kleineren Startschwierigkeiten, die durch unnötige Abstimmungsfehler entstanden waren, fanden wir in unserer Plan Commission ein richtig sauberes und strukturiertes System. Wir hatten volle zwei Sessions reine Arbeitszeit für die Kommissionen. Das hat zwar immer noch nicht ganz gereicht, aber mit etwas Zusatzschicht haben wir den Entwurf schließlich doch auf den aktuellen Stand bringen können.
Zum Abschluss des Tages feierten wir die Culture Night der JOC America! Es gab wieder jede Menge Tänze, Musik und ausgelassene Stimmung. Ich habe mich dieses Mal allerdings etwas mehr in die Rolle des Beobachters zurückgezogen, um die Akkus für die kommenden Tage wieder aufzuladen.
Tag 12: Erste IPA-Präsentation, Bewegungsprofile & Dauereinsatz in der Commission
Der Tag begann gleich mit einem großen Meilenstein für meine Kommission: Wir präsentierten den ersten Teil des neuen IPA (International Plan of Action) im Plenum! Schnell wurde klar, wie viel Diskussionsbedarf in den Inhalten steckt – wir sind bei Weitem nicht so weit durchgekommen, wie wir es uns anfänglich erhofft hatten.
In den darauffolgenden Sessions lag der Fokus wieder auf der Arbeit in Kleingruppen. Diesmal ging es ganz konkret um unsere jeweiligen Nationalbewegungen: Wir stellten uns gegenseitig die Strukturen unserer Länder vor und herausarbeiteten in intensiven Gesprächen unsere gemeinsamen Stärken und Schwächen. Zurück im Plenum flossen diese Erkenntnisse in eine große, gemeinsame Austausch- und Diskussionsrunde ein.
Da wir in der Plan Commission mit dem Ausformulieren und Einarbeiten des Feedbacks kaum hinterherkommen, ging es für uns nach den offiziellen Tages-Sessions direkt wieder in die Verlängerung. Nachtschichten gehören beim Weltrat wohl einfach dazu!
Tag 13: Stärkung der Bewegungen, Extension & Vorfreude auf die Europa-Kulturnacht
Wir stiegen heute direkt mit einer großen Diskussionsrunde im Plenum ein: Gemeinsam tauschten wir uns über konkrete Strategien aus, wie wir unsere nationalen CAJ-Bewegungen weltweit stärken und ausbauen können.
Anschließend drehte sich alles um das Thema Extension (die Ausweitung und Erschließung neuer Gruppen und Länder). Dazu wurden zunächst die aktuellen Vorschläge der einzelnen Kontinente präsentiert. Später kamen wir in unseren kontinentalen Gruppen – für uns also als europäische Delegation – zusammen, um die Strategien vertiefend zu diskutieren.
In der letzten Session des Tages gab es wieder wertvolle Arbeitszeit für die Kommissionen. Während wir in der Plan Commission intensiv an Texten feilten und jede Minute brauchten, nutzten die anderen europäischen Delegierten die Zeit bereits, um unsere eigene Culture Night für Freitag zu planen!
Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es am Abend direkt weiter mit dem Kulturprogramm: Diesmal richtete die Region ASPAC (Asia-Pacific) ihre Kulturnacht aus und bescherte uns wieder einen fantastischen, bunten Abend.
Tag 14: Strandtag, Jet-Ski-Action & Entspannung pur
Heute ist mein Day Off, also gibt’s keinen Report… 🙂↕️
Joke, na klar erzähle ich euch, was heute abging! Heute hieß es nämlich: Ab an den Strand! 🌊
Um 8:00 Uhr ging die Reise los. Die 1,5 Stunden Busfahrt waren die ideale Gelegenheit, um ein paar der Tagebuchberichte für euch nachzuschreiben 😉. Am Meer angekommen, ging es für uns mit vier Booten von Station zu Station. Unser erster Anlegeort lag im seichten Wasser, wo wir erst einmal entspannten und gemeinsam grillten. Am zweiten Stop ging es dann steil ins tiefere Wasser über – angesagt war Entspannung pur, lockere Gespräche und einfach jede Menge Spaß!
Ein absolutes Highlight durfte natürlich nicht fehlen: Eine wilde Wasserattraktion! Ein Teil von uns sprang sofort auf eine riiiiiesige „Luftschlange“ und schoss, gezogen von einem Jetski, über das Wasser. Später bewunderten einige von uns beim Schnorcheln noch die farbenfrohen Korallenriffe.
Nach etwas Ruhe machten wir uns schließlich langsam wieder auf den Rückweg. Und tja… wer hätte es gedacht: Zum Tagesabschluss stand natürlich noch ein bisschen Vorbereitung für die anstehenden Weltrats-Tage auf dem Programm!
Tag 15: Coordination, Adult Collaborators & Europa-Kulturnacht
Ab jetzt wird es wirklich nahezu unmöglich, mit den Berichten hinterherzukommen – das Tempo zieht noch einmal ordentlich an!
Der heutige Tag fokussierte sich zu Beginn ganz auf das Thema Coordination. Wir wandten unsere bewährte Sehen – Urteilen – Handeln Methodik direkt auf die Koordinationsstrukturen in den einzelnen Nationen sowie explizit auf kontinentaler und internationaler Ebene an. Dabei ging es vor allem darum, wie wir tiefere, zukunftssichere Strukturen schaffen und unsere Arbeit so effektiv wie möglich gestalten können.
In der vierten Session drehte sich alles um die Rolle der Collaborators (Erwachsenen-Begleitung) – ein extrem wichtiges und spannendes Thema, das wir in Deutschland ganz anders auf dem Schirm haben als viele andere Länder! Es ging intensiv um die Frage, wie Adult Collaborators unsere CAJ-Bewegungen optimal unterstützen können, ohne zu viel Einfluss zu nehmen, sodass die Entscheidungsmacht und der Lernprozess voll und ganz bei den Jugendlichen selbst bleiben.
Ab diesem Punkt hieß es für mich wieder: Jede freie Minute und jede verfügbare Pause nutzen, um am Text des neuen IPA weiterzuarbeiten! Andererseits muss man aber auch richtig feiern können: Heute Abend stand die Cultural Night von Europa an! Unser Programm war eine wilde, unterhaltsame Reise durch den Kontinent – und mit einer gehörigen Portion Comedy haben wir sogar die ein oder andere technische Tücke perfekt ins Programm eingebaut und die Bude gerockt.
Tag 16: Adult Collaborators, ICYCW-Vernetzung & Finanzeinstieg
Das Thema Adult Collaborators ging heute direkt in die nächste Runde: Uns wurde ein Dokument präsentiert, das in enger Zusammenarbeit zwischen einem Gremium aus ehemaligen YCW-Mitgliedern und dem Internationalen Team erarbeitet wurde. Unsere Aufgabe ist es nun, dieses Dokument gemeinsam weiterzuentwickeln.
Als nächstes stand das Thema Networking auf dem Programm. Nach der gewohnten Gruppenphase steuerten wir auf einen besonders spannenden Höhepunkt zu: die Beziehung zur ICYCW (einer weiteren internationalen Bewegung, mit der wir gemeinsame historische Wurzeln teilen). Wir stiegen kurz in die Geschichte ein und erarbeiteten anschließend ein gemeinsames Proposal als Rückmeldung an die ICYCW.
In diesem Kontext brachten wir als deutsche Delegation auch noch ein wichtiges Proposal für die anstehenden Wahlen ein: Unser Ziel ist die Einrichtung einer vertraulichen Personaldebatte, in der sich die Delegierten frei und offen austauschen können – ohne dass Externe oder die Kandidierenden selbst im Raum anwesend sind.
Zum krönenden Abschluss des Tages gab es dank einer kleinen Programmänderung schon den ersten Einstieg in das Thema Finanzen!
Tag 17: Finanzen, Messe & Nachtschicht für den IPA
Ein ganzer Tag zum Thema Finanzen – wahrlich nicht mein Lieblingsthema! Doch ich muss sagen, dass der Tag ideal aufgebaut war, um extrem umfangreich und effektiv in die Diskussion zu gehen.
Zu Beginn bekamen wir unsere finanzielle Situation Schritt für Schritt und anschaulich visuell erläutert. Wir beleuchteten die Lage in den verschiedenen Kontinenten und analysierten detaillierte Szenarien für unsere Zukunft. Danach ging es an die konkrete Arbeit: In unseren Kontinentalgruppen tauchten wir tief in den Austausch ein und erstellten einen Plan für die nächsten vier Jahre. Dabei haben wir klar definiert, was uns besonders wichtig ist und auf welche Punkte wir im Notfall auch verzichten können.
Zum Abschluss des offiziellen Programms feierten wir eine gemeinsame Messe – schlicht, schön und verbindend.
Tja, und danach ging die Arbeit für mich erst so richtig los! Morgen steht nämlich die Präsentation des nächsten IPA-Teils an. Bis nach 2 Uhr nachts saßen wir zusammen, feilten an Formulierungen und entwickelten einen IPA mit echter inhaltlicher Tiefe!
Tag 18: Gender-Debatte, IPA-Präsentation, Safeguarding & Geburtstagsparty
Ich bin müde, totmüde… aber wir haben in der letzten Zeit auch extrem viel geschafft!
Der Tag begann mit dem wichtigen Thema Gender. Genau bei diesem Punkt merkt man immer wieder eindrücklich, wie unterschiedlich die gesellschaftliche und politische Situation in den einzelnen Ländern weltweit ist – und mit welchen kreativen Ansätzen verschiedene Nationalbewegungen versuchen, wirklich inklusiv zu handeln, selbst wenn es in ihren lokalen Strukturen extrem schwer ist, junge Frauen zu erreichen.
Direkt in der Folgesession ging es weiter mit der Präsentation des nächsten IPA-Teils aus unserer Kommission! Nach der Pause starteten wir schließlich in die Debatte um die Anträge zu unseren Internal Rules (den internen Satzungen und Regularien der YCW). In der letzten Session des Tages stiegen wir noch einmal tief in das Thema Safeguarding Policy (Schutzkonzepte gegen Gewalt und Missbrauch) ein.
Zum Tagesabschluss gab es eine große gemeinsame Geburtstagsparty für alle, die im Zeitraum des Weltrats Geburtstag hatten – ein rundum schöner Abend! Was aber natürlich nicht heißt, dass man danach nicht trotzdem wieder bis 2 Uhr nachts am IPA feilen kann ;)
Tag 19: Der vorletzte Tag, emotionale Abschiedsgedanken & Endspurt im IPA
Der vorletzte Tag des Weltrats ist angebrochen – und ehrlich gesagt will ich noch gar nicht daran denken, bald Abschied zu nehmen. Vor allem der Gedanke, dass man einen Großteil der Menschen wohl nie wiedersehen und vielleicht nie wieder direkt von ihren Lebensrealitäten hören wird, macht mich wehmütig. Die YCW ist einfach ein ganz besonderer Ort, an dem unsere Werte weltweit nicht nur besprochen, sondern echt und wahrhaftig gelebt werden.
Aber nun zu dem, was heute abging: Für uns in der Plan Commission hieß es extra 1,5 Stunden früher aufstehen, um den restlichen IPA für die heutige Präsentation und die anstehenden Abstimmungen vorzubereiten.
Denkt ihr, wir wären pünktlich fertig geworden? Natürlich nicht! Dennoch nutzten wir die verbleibenden drei Sessions intensiv, um den Plan weiter vorzustellen, gemeinsam daran zu feilen und die Inhalte im Plenum zu diskutieren.
Zum Tagesabschluss gab es schließlich unser wohl – und hoffentlich! – letztes nächtliches Commission-Meeting, damit wir morgen auch wirklich den allerletzten Rest finalisieren können.


